Kurfürstlich-sächsischer Menageriegärtner
Lebensdaten:
Geboren: 1. August 1770 in Gaulitz1
Gestorben: 29. Mai 1843 in Dresden
Vater: Johann Christoph Lehmann (Einwohner und Gärtner in Gaulitz)
Frau: Eva Rosine, geb. Leschig aus Eisenberg (Tochter eines Gärtners); Kinder: Friedrich August Andreas Lehmann (1803-1847); Heinrich Adolph Lehmann (1805-1882)
Ausbildung und Beruf:
Im Alter von 20 Jahren begann Lehmann eine dreijährige Gärtnerlehre in Pförten, wohl im Schlossgarten der Grafen von Brühl, wo er sich „in allem was zur Treiberey und Pflantzen-Kenntniß erforderlich ist […] gründlich“ unterrichtete. Anschließend arbeitete er vier Jahre als Geselle im Dresdner Menageriegarten und wechselte im April 1803 als Gärtner in den Loschwitzer Weinberg des späteren Kabinettsminister Detlev Graf von Einsiedel (1773-1861).
Wissenswertes:
Einsiedel war offenbar sehr zufrieden mit Lehmann, denn er empfahl den 34-jährigen seinem Kurfürsten „als Gärtner mit Treue, Fleiß und Geschicklichkeit“, woraufhin dieser ihm 1804 die Leitung des Menageriegartens in Dresden-Friedrichstadt übertrug. Der Garten war 1764 auf den Flächen der ehemaligen Menagerie Augusts des Starken angelegt worden und hatte den Hauptzweck, die kurfürstliche Tafel in Dresden und Pillnitz mit Obst und Gemüse zu versorgen. Auf der etwa 4,6 ha großen Fläche betreute Lehmann ein knappes Dutzend Treibhäuser, unzählige Treibkästen, gut 1.000 Obstbäume, etwa 1,4 km Spalierobst und -wein sowie das Grabeland für den Gemüsebau. Die Früchte wurden nach der Ernte im Garten küchenfertig geputzt, teils auch konserviert und eingelagert, um den Hof rund um das Jahr beliefern zu können. Zur Seite standen Lehmann bei dieser gewaltigen Aufgabe ein Gehilfe, vier Lehrlinge sowie jahreszeitlich schwankend etwa sechs bis 20 Tagelöhner, zeitweilig auch einige Soldaten sowie Fröner.
Beide Söhne dürften den Vater ab einem gewissen Alter im Garten unterstützt haben und Lehmann sen. wandte all seine Ersparnisse auf, um ihnen 1820 eine standesgemäße Gärtnerlehre zu ermöglichen: August lernte im Palaisgarten, Heinrich im Herzogingarten. Anschließend gelang es Lehmann dank Fürsprache seines Gönners Einsiedel für beide ein königliches Reisestipendium zu erlangen, mit dessen Hilfe beide 1823 loszogen, um sich in Wien, München, Paris, London und Potsdam weiterzubilden. Nach ihrer Rückkehr 1829 erhielt August aufgrund seiner Kenntnisse sofort Anstellung im Dresdner Botanischen Garten und rückte 1832 in die freigewordene Hofgärtnerstelle im Brühlschen Wallgarten nach. Heinrich aber sollte – weil er „in der Wissenschaft zurück geblieben“ war – lediglich als Tagelöhner beim Vater angestellt werden. Der Hofmarschall übertrug ihm schließlich einen Teil des Menageriegartens, den er nach eigenem Entwurf neu anlegen und bestellen sollte. Dabei trat nun ein Generationenkonflikt zu Tage, der nicht zuletzt in den raschen Fortschritten, die der Gartenbau Anfang des 19. Jahrhunderts machte, begründet liegt. Denn wie die Akten belegen, war es sowohl um die Rechtschreib- und Grammatikkenntnisse als auch um die gärtnerischen Kenntnisse Vater Lehmanns nur „mittelmäßig“ bestellt. Heinrich dagegen hatte auf seinen Reisen neue Kulturmethoden der Obst- und Gemüsetreiberei und den französischen Obstbaumschnitt kennengelernt.
Auch Vater Lehmanns Führungsqualitäten ließen zu wünschen übrig: Er sei zwar ein „fleißiger Arbeiter, aber leider kein Ansteller“, während Heinrich darauf drang, unbrauchbare Arbeitskräfte abzustoßen. Zudem ließ Vater Lehmann den geradezu erwerbsmäßig im Garten stehlenden Hausmann des Menageriegartens ungestraft gewähren. Wie eine eindrückliche Weisung belegt, scheint Vater Lehmann dabei alle Ideen und Neuerungsvorschläge des Sohnes abgelehnt und diesen bevormundet zu haben. Ende 1829 eskalierte der Streit über die zweckmäßigste Platzierung des Düngerhaufens, in dessen Folge Heinrich darum bat, die gemeinsame Gärtnerwohnung im Menageriegarten teilen zu dürfen. Anfang 1831 gelang es dem Sohn dann, seine Adjungierung an den Vater zu erhalten. Doch dem ehrgeizigen Sohn fehlte noch „die Einnahme vom 9ten Teil der gesamten Garteneinnahme, die Wohnung des Vaters, und die alleinige Verkaufsberechnung der Gartengemüse, Blumen und Früchte“. Und so wurde Vater Lehmann schließlich im Juni 1832 in den Ruhestand versetzt, weil er „mit der Zeit nicht fortgegangen“ sei und „die neuern Erfahrungen der Gärtnerei nicht zu benutzen“ verstehe.
Heinrich setzte seine Eltern daraufhin vor die Tür. Der Vater aber war „ohne Mitleid und Schonung, indem er ihm auch sogar die wenigen Möbel nimmt, welche er ihm zur zeitherigen Benutzung überlassen hat“, obwohl Heinrichs Frau gerade hochschwanger war. Johann Christoph zog mit seiner Frau zu seinem ältesten Sohn August ins Hofgärtnerhaus im Brühlschen Wallgarten. 1838 ersteigerte er ein kleines Haus- und Gartengrundstück in Striesen, das er noch bis 1840 abbezahlte. Vielleicht war es als Alterswohnsitz gedacht. Doch dazu kam es nicht mehr, denn Lehmann starb 1843 bei seinem Sohn an Altersschwäche.
Wenige Wochen vor Johann Christoph war bereits seine Enkelin, Augusts vier Monate alte Tochter Catharina Beate Helene, verstorben. Beide wurden gemeinsam auf dem Eliasfriedhof zur letzten Ruhe gebettet. Der umtriebige August sollte nur vier Jahre später folgen.
Grabmal:

Von Dr. Stefanie Krihning
- Ort bisher nicht zweifelsfrei identifiziert, evtl. bei Rötha. ↩︎