Johann Gottlieb Naumann (1741–1801)

Hofkapellmeister

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Johann Gottlieb Naumann, Deutsche Fotothek
Lebensdaten:

geboren: 17.4.1741 in Blasewitz als Sohn eines Land- Accise Einnehmers (Steuereinnehmer) und Häuslers

gestorben: 23.10.1801 in Dresden

Schulausbildung:

Naumann besuchte die Dorfschule in Loschwitz und anschließend vermutlich die Kreuzschule. Mit 10 Jahren erhielt er Klavier- und Orgelunterricht beim Loschwitzer Kantor, ab 1754-1757 Unterricht durch den Kreuzkantor Homilius.

Studium:

1757 begibt er sich als Begleiter und Diener für den schwedischen Geiger Westström (1720-1781) nach Italien. Dort verbleibt er vorerst zum Studienaufenthalt und erhält finanziert von Gönnern Unterricht bei berühmten Meistern der Zeit in Padua und Bologna. 1764 kehrte er nach Dresden zurück.

Beruf:

Komponist und Kapellmeister in Dresden, zeitweilig in Stockholm, Kopenhagen und Berlin

Wissenswertes:

Naumann komponierte 20 Opern sowie umfangreiche Vokal- und Instrumentalmusik. Seine im Auftrag des schwedischen Königs erstellte Oper „Gustaf Wasa“ gilt heute als schwedische Nationaloper.

Wohnsitz/Dresdner Erinnerungsorte:

Naumann hatte sich in einem Geburtsort Blasewitz 1777 ein Landhaus errichtet, im Volksmund das „Naumann Palais“ genannt. Eine kleine Gedenktafel an der heutigen Loschwitzer Straße erinnert an das 1945 zerstörte Gebäude. Naumanns letzter Wohnsitz in Dresden war eine Wohnung auf der Pirnaischen Gasse 235. Das Haus wurde 1888 abgebrochen.

An ihn erinnert neben der Naumann-Straße in Blasewitz das aus der Naumann-Stiftung finanzierte alte Blasewitzer Schulhaus mit dem Naumann-Relief. Das Gebäude ist heute Bestandteil des Ortsamtes.

Im nahen Seifersdorfer Tal ließ Tina von Brühl „ Dem Sänger des Thales“ einen noch zu sehenden kleinen Rundaltar errichten.

Grabmal:

Grabstelle D05/06. Sein Grabmal ist wie sein Werk eine Komposition, eine Zusammenfügung verschiedener symbolischer Architekturzitate. Es ist in der Ausdeutung und Urheberschaft bis heute nicht vollständig geklärt.

Auf einem hohen Mauerstück aus grob gefügten Sandsteinen erhebt sich eine abgebrochene Säule, Symbol des Tempels Salomos in Jerusalem. Dieser wurde von den Freimaurern, zu denen Naumann als aktives Logenmitglied gehörte, als symbolischer „Tempel der Humanität“ angesehen. Die abgebrochene Säule ist zugleich Symbol für ein beendetes Menschenleben.

Dem Sockel zu Füßen steht ein antiker Sandsteinsarkophag, als Symbol des Todes. An der Grabmalgruppe lehnt eine Sandsteinplatte mit Relief des Orpheus mit der Leier. Gemäß der griechischen Mythologie wollte Orpheus seine Frau aus der Unterwelt des Hades durch Musik wieder befreien und in das Reich der Lebenden zurückführen.

Den darunter stehen Text verfasste Naumanns Freund, Christian Körner (Vater Theodor Körners und Freund sowie Gastgeber Schillers bei dessen Dresden-Aufenthalt).

Restaurierungsarbeiten:

Aus einem falschen Renovierungsverständnis heraus ist der bewusst grobe Mauersockel der Säule 1901, zum 100. Todestag Naumanns, „restauriert“ worden. Damals überzog man ihn mit einem dicken Zementputz. So wurde aus der symbolischen Tempelmauer ein glatter Zementklotz der sich nicht mehr in das Ensemble einfügte und dessen Putz inzwischen teilweise abschalte.

Im Rahmen der Restaurierung wurde der Zementputz beseitigt. Die verkehrt gedrehte Säule wurde neu versetzt. Sarkophag und Reliefplatte wurden gereinigt, gefestigt und punktuell gesichert.

Von Matthias Voigt