Aktuelle Grabmalrestaurierungen bedeutender Dresdner Persönlichkeiten

Teil 1

 

Dank Förderung des Bundesministeriums für Kultur und Medien sowie der Deutschen Stiftung Denkmalschutz konnten 2020/2021 wieder wertvolle Grabmale konservatorisch gesichert werden.

Wir möchten Ihnen Dresdner Persönlichkeiten anhand ihrer restaurierten Grabmale vorstellen. Der Eliasfriedhof ist für die beschriebenen Personen nicht nur ihr letzter Ort, sondern meist auch die einzige noch vorhandene authentischen Erinnerungsstätte. Die Kurzbiographien sollen Einblicke in das Leben der Personen und ihren Bezug zu Dresden geben.

Wir würden uns freuen, Sie hier an diesem besonderen Ort zu unseren Führungen begrüßen zu dürfen. Behandelt werden 5 Persönlichkeiten ihrer Zeit aus verschiedenen Lebensbereichen.

  1. Johann Gottlieb Naumann (1741-1801) - Hofkapellmeister und Komponist
  2. Johann Adam Gottlieb Kind (1747-1826) - Jurist und Rechtsgelehrter
  3. Caroline Friedericke Friedrich (1749-1815) - Hofblumenmalerin und Lehrerin der Künste
  4. Friedrich Ludwig Kreyßig (1770-1839) - Königlicher Leibarzt, Mediziner und Botaniker
  5. Ernst Theodor Echtermeyer (1805-1844) - Schriftsteller und Verleger des Vormärz

 


Johann Gottlieb Naumann, Hofkapellmeister

Porträt, 1780, Quelle: http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70237678

Lebensdaten:

geboren: 17.4.1741 in Blasewitz als Sohn eines Land- Accise Einnehmer (Steuereinnehmer) und Häuslers

gestorben: 23.10.1801 in Dresden

 

Schulausbildung:

Naumann besuchte die Dorfschule in Loschwitz und anschließend vermutlich die Kreuzschule. Mit 10 Jahren erhielt er Klavier- und Orgelunterricht beim Loschwitzer Kantor, ab 1754-1757 Unterricht durch den Kreuzkantor Homilius.

 

Studium:

1757 begibt er sich als Begleiter und Diener für den schwedischen Geiger Westström (1720-1781) nach Italien. Dort verbleibt er vorerst zum Studienaufenthalt und erhält finanziert von Gönnern Unterricht bei berühmten Meistern der Zeit in Padua und Bologna.

1764 Rückkehr nach Dresden

 

Beruf:

Komponist und Kapellmeister in Dresden, zeitweilig in Stockholm, Kopenhagen und Berlin

 

Wissenswertes:

Naumann komponierte 20 Opern sowie umfangreiche Vokal- und Instrumentalmusik. Seine im Auftrag des schwedischen Königs erstellte Oper „Gustaf Wasa“ gilt heute als schwedische Nationaloper.

siehe auch Biographie des Fördervereins: https://eliasfriedhof.de/johann-gottlieb-naumann

 

Wohnsitz/ Dresdner Erinnerungsorte:

Naumann hatte sich in einem Geburtsort Blasewitz 1777 ein Landhaus errichtet, im Volksmund das „Naumann Palais“ genannt. Eine kleine Gedenktafel an der heutigen Loschwitzer Straße erinnert an das 1945 zerstörte Gebäude. Naumanns letzter Wohnsitz in Dresden war eine Wohnung auf der Pirnaischen Gasse 235. Das Haus wurde 1888 abgebrochen.

An ihn erinnert neben der Naumann- Straße in Blasewitz, das aus der Naumann -Stiftung finanzierte alte Blasewitzer Schulhaus mit dem Naumann-Relief. Das Gebäude ist heute Bestandteil des Ortsamtes.

Im nahen Seifersdorfer Tal ließ Tina von Brühl „ Dem Sänger des Thales“ einen noch zu sehenden kleinen Rundaltar errichten.

 

Grabmal:

Grabstelle D05/06. Sein Grabmal ist wie sein Werk eine Komposition, eine Zusammenfügung verschiedener symbolischer Architekturzitate. Es ist in der Ausdeutung und Urheberschaft bis heute nicht vollständig geklärt.

Auf einem hohen Mauerstück aus grob gefügten Sandsteinen erhebt sich eine abgebrochene Säule, Symbol des Tempels Salomos in Jerusalem. Dieser wurde von den Freimaurern, zu denen Naumann als aktives Logenmitglied gehörte, als symbolischer „Tempel der Humanität“ angesehen. Die abgebrochene Säule ist zugleich Symbol für ein beendetes Menschenleben.

Dem Sockel zu Füßen steht ein antiker Sandsteinsarkophag, als Symbol des Todes. An der Grabmalgruppe lehnt eine Sandsteinplatte mit Relief des Orpheus mit der Leier. Gemäß der griechischen Mythologie wollte Orpheus seine Frau aus der Unterwelt des Hades durch Musik wieder befreien und in das Reich der Lebenden zurückführen.

Den darunter stehen Text verfasste Naumanns Freund, Christian Körner (Vater Theodor Körners und Freund sowie Gastgeber Schillers bei dessen Dresden-Aufenthalt).

 

Restaurierungsarbeiten:

Aus einem falschen Renovierungsverständnis heraus ist der bewusst grobe Mauersockel der Säule 1901, zum 100. Todestag Naumanns, „restauriert“ worden. Damals überzog man ihn mit einem dicken Zementputz. So wurde aus der symbolischen Tempelmauer ein glatter Zementklotz der sich nicht mehr in das Ensemble einfügte und dessen Putz inzwischen teilweise abschalte.

Im Rahmen der Restaurierung wurde der Zementputz beseitigt. Die verkehrt gedrehte Säule wurde neu versetzt. Sarkophag und Reliefplatte wurden gereinigt, gefestigt und punktuell gesichert.

 


Johann Adam Gottlieb Kind, Jurist und Rechtsgelehrter

 

Lebensdaten:

geboren: 01.10.1747 in Werdau/ Zwickau

gestorben: 16.11.1826 in Dresden

 

Ausbildung/ Studium:

1768-1771 Jurastudium in Leipzig, 1773 Habilitierung

 

Beruf:

1776 Professor der Rechte und Advokat in Leipzig

1789 Umzug nach Dresden,

Tätigkeit am Appellationsgericht, der höchsten gerichtlichen Instanz in Sachsen

 

Wissenswertes:

Kind verfasste ein umfassendes juristisches Schrifttum und machte sich für die Sächsische Verwaltung verdient.

Er verlor 1797 seine Ehefrau Rahel Christiane und 1815 seine 22-jährige Tochter Christiane Auguste. Die beiden sehr verschieden gestalteten Denkmale erinnern an die schicksalhaften Ereignisse. Sie lassen sich sehr persönlich ausdeuten.

 

Wohnsitz/ Dresdner Erinnerungsorte:

Kind war Besitzer des Hauses Jüdenhof 390, direkt gegenüber dem Johanneum am Neumarkt

 

Grabmal:

Grabstelle D13/09, bestehend aus 3 Grabmalen.

Auf der linken Seite befindet sich das Grabmal für seine Frau Rahel Christiane, ein auf ein Postament gestellter abgebrochener Pyramidenstumpf. Rechts steht ein nach einem Entwurf Caspar David Friedrichs altarartig angelegtes Grabmal mit einer Schale. An Johann Adam Gottlieb Kind erinnert mittig eine Sandstein-Grabplatte.

 

Grabmal-Restaurierungsarbeiten:

Das Grabmal der Ehefrau war im Pyramidenbereich stark ausgewittert und wurde zurückgesetzt mit Steinrestaurierungsmörtel ergänzt und stabilisiert. Am Grabmal ist sehr gut die Restaurierung ablesbar. Ziel war das Sichern geschädigter Oberflächen um den Verfallsprozess des Sandsteins aufzuhalten. Zugleich wurde versucht starke Störungen in einen Zustand zu versetzen, der dem leicht verwitterten Umfeld entspricht. Im Bereich des stark zerstörten Sockels wurden die Flächen gefestigt und die Architektonischen Kanten wie eine an Ringen hängende Draperie wieder hergestellt.

Das benachbarte Grabmal der Tochter wurde bereits vor einigen Jahren durch Herstellung eines neuen Fußstückes für die aufstehende Schale restauriert. Aktuell erfolgten nur Verfugungen zur Vermeidung von Wassereintritt, der langfristig den Sandstein schädigt.

 


Caroline Friederike Friedrich „Hofblumenmalerin“, Lehrerin

 

Lebensdaten:

geboren: 04.03.1749 in Dresden-Friedrichstadt als Tochter eines Radierers und Tapetenmalers

gestorben: 20.01.1815 in Dresden

 

Schulausbildung:

Sie erhielt Zeichenunterricht bei einem älteren Bruder.

 

Studium:

1770 bekam sie ein Stipendium an der Dresdner Kunst-Akademie, persönlich gefördert durch den Direktor, Christian Ludwig Hagedorn.

 

Beruf:

Seit 1783 war sie an der Kunst-Akademie Lehrerin für das Malen von Stillleben und trug die Bezeichnung „Hofblumenmalerin“. Sie war in dieser Zeit die einzige Frau im Lehramt an der Akademie.

 

Wissenswertes:

Ihre ausdrucksvollen farbenprächtigen Öl- und Gouache-Malereien werden u.a. in der Gemäldegalerie Alte Meister, in der Eremitage in St. Petersburg, in Weimar und im Dresdner Kupferstichkabinett bewahrt.

 

Wohnsitz/ Dresdner Erinnerungsorte:

Caroline Friederike Friedrich wohnte auf der Kreuzgasse 539, die jetzt mit dem Rathaus überbaut ist.

 

Grabmal:

Grabstelle D21/10. In den schwierigen Verhältnisse nach dem Napoleonischen Krieg, erhielt Caroline Friederike Friedrich nur eine kleine schlichte Sandstein-Grabplatte, die ein Stern im Kranz ohne ihre geliebten Blumen ziert.

Bedingt durch ihre Bodenlage und Frosteinwirkung ist sie nur noch teilweise lesbar.

 

Grabmal-Restaurierungsarbeiten:

Die Sandsteinplatte wurde gereinigt und punktuell gesichert.

 


Friedrich Ludwig Kreyßig

Porträt- Lithographie aus Saxonia

Arzt und Botaniker, Professor  und Direktor der Chirurgisch-medizinischen Akademie in Dresden,

Königlicher Leibarzt, Publizist zu Heilkunde und Herzkrankheiten

 

Lebensdaten:

geboren: 4.7.1770 in Eilenburg als Sohn eines Arztes

gestorben: 4.Juni 1839 in Dresden

 

Schulausbildung:

Besuch der Landesschule in Grimma

 

Studium:

1787-1790 Medizinstudium in Leipzig

1792 Reisestipendium und weitere Ausbildung in Padua

1795 Promotion in Leipzig

 

Beruf:

1796 Professor für Medizin und Chirurgie in Wittenberg

1801 Professur für Anatomie und Botanik in Wittenberg

1803 Übersiedlung nach Dresden, Leibarzt des späteren sächsischen Königs Friedrich August I

1816 Professur der Chirurgisch-medizinischen Akademie in Dresden

 

Wissenswertes:

Kreyßigs Dresdner Wirkungsstätte war die Chirurgisch-medizinischen Akademie. Diese wurde als Vorläufer der heutigen Medizinischen Akademie 1815 gegründet. Sie hatte ihren Sitz im Kurländer Palais. Kreyßig war für die Innere Medizin verantwortlich, sein Kollege Carl Gustav Carus für die Geburtshilfe. Zur Chirurgisch-medizinischen Akademie gehörte auch der rückseitig anliegende 1819 gegründete Botanische Garten, dem ebenfalls sein Interesse galt. Mit dessen Direktor Heinrich Gottlieb Ludwig Reichenbach war er 1826 Mitbegründer und zeitweise 1. Vorsitzender der Flora, einer der ersten Gartenbaugesellschaften in Deutschlands.

Als Leibarzt begleitete und betreute er nach den napoleonischen Kriegen 1813-1815 den König in der preußischen Gefangenschaft. Die Zeit nutzte er zugleich für Studien und Publikationen Er veröffentlichte ein umfangreiches Schrifttum so u. a. zu Herzkrankheiten und eine mehrbändige Heilkunde.

Kreyßig war als Hof- und Medizinischer Rat Mitglied der Sächsischen Landesregierung.

Er war maßgeblich in vielen Vereinen und Gesellschaften tätig. So war er Mitglied der Leopoldina, Gründungsmitglied der Gesellschaft für Natur- und Heilkunde, Mitglied der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte, der Ökonomischen Gesellschaft im Königreiche Sachsen sowie der genannten Flora.

 

Wohnsitz/ Dresdner Erinnerungsorte:

Kreyßig besaß die letzten Jahrzehnte seines Lebens ein großes Gartengrundstück des ehemaligen Festungswalls nordöstlich des Gewandhauses.

 

Grabmal:

Grabstelle D16/07. Es handelt sich um eine große Grabanlage am Westlichen Querweg mit gemauerter Gruft und Gruftplatte mit schlichtem Kreuz. Das Grabmal ist entsprechend seiner beruflichen und gesellschaftlichen Stellung sehr dominant als hoher Obelisk auf einem Postament gestaltet. Auf dem Obelisk befinden sich die Grabinschrift und ein Sternenkranz, Symbol der göttlichen Ordnung.

 

Grabmal-Restaurierungsarbeiten:

Im Aufstandsbereich des Obelisken gab es tiefgreifende Schäden, die in zurückhaltenden Ergänzungen mit Steinrestaurierungsmörtel geschlossen wurden. Die architektonischen Konturen werden wiederhergestellt. Weiterhin erfolgten das Sichern von Schalen, Entsalzungen und Festigungen.

 


Ernst Theodor Echtermeyer, Schriftsteller, Literaturhistoriker, Ästhetiker

 

Lebensdaten:

geboren: 12.08.1805 in Liebenwerda als Sohn eines kursächsischen Amtsinspektors

gestorben: 06.05.1844 in Dresden

 

Schulausbildung:

Landesschule in Schulpforta

 

Studium:

Philosophiestudium in Halle und Berlin

 

Beruf:

1831 Promotion in Halle, Lehramt am dortigen Pädagogium der Franckeschen Stiftungen

 

Wissenswertes:

Echtermeyer war als Professor in Halle Verfasser der „Mustersammlung deutscher Gedichte für gelehrte Schulen“. Diese wurde ein Jahrhundert lang in Neubearbeitungen aufgelegt und galt als Standartwerk an Schulen, das mehrere Generationen prägte.

Gemeinsam mit dem schillernden Demokraten und Junghegelianer Arnold Ruge war er als Schriftsteller und Herausgeber der „Hallischen Jahrbücher für Wissenschaft und Kunst“ tätig. Die literarische Zeitung war einer der geistigen Wegbereiter für die bürgerliche Revolution von 1848. Bedingt durch ein Verbot der Zeitung durch die preußische Zensur verlegten beide ihren Wohnsitz und den Erscheinungsort der nun die „Deutschen Jahrbücher“ genannten Zeitschrift 1841 nach Dresden.

Sein sehr rationaler Essay „Der Protestantismus und die Romantik“ löste eine Debatte zur Romantik aus. Populär waren seine Dresdner Vorlesungen über Deutsche Literaturgeschichte.

Echtermeyer war in Dresden Mitglied verschiedener Vereine und Zirkel des Vormärz, wie dem Literarischen Museum, dem Kreis um den Schriftsteller Julius Mosen sowie seiner „Deutschen Jahrbücher“ Zu diesem Kreis gehörten neben dem genannten Ruge u.a. auch der russische Anarchist Bakunin.

 

Wohnsitz/ Dresdner Erinnerungsorte:

Sein Wohnsitz war auf der Inneren Pirnaischen Gasse 19, der heutigen Landhausstraße, das Eckhaus zur Friesengasse.

 

Grabmal:

Grabstelle C08/27: Die schlichte Marmorplatte in Sandsteinrahmung ist Bestandteil einer Familien-Grabanlage, die seine Schwiegermutter Friedericke von der Planitz anlegen ließ.

 

Grabmal-Restaurierungsarbeiten:

Die unleserlichen Marmorplatten der Grabanlage wurden gereinigt und die gebrochene Platte Echtermeyers geklebt.

Weitere Persönlichkeiten

Unter diesem Link sehen Sie weitere verdienstvolle Persönlichkeiten, deren Grabstellen sich auf dem Eliasfriedhof befinden.