das Grabmal der Familie Martinsen/Benad

Grabdenkmal der Familie Martinsen/Benad
Eliasfriedhof vor 1909, Quelle: SLUB/Deutsche Fotothek

D. Zille, 16.10.2016

Nebenstehend abgebildetes Grabdenkmal schmückte früher den Eliasfriedhof. Es entstand um 1580 als Bestandteil des Epitaphs Heinrich von Schönberg und wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit von Sebastian Walther geschaffen. Erster bekannte Standort war in der alten Frauenkirche. Von dort gelangte das Relief – möglicherweise als die alte Frauenkirche in Vorbereitung für den Neubau von George Bähr abgerissen wurde – auf den alten Johannisfriedhof. Die Familie Martinsen/Benad erwarb es zu einem unbekannten Zeitpunkt und stellte es auf deren Erbbegräbnis auf. Im Jahr 1903 wurde es von Cornelius Gurlitt in den »Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreiches Sachsen« auf Seite 202 erwähnt. Was danach mit dem Denkmal geschah, verlor sich zunächst im Nebel der Geschichte.

das Grabdenkmal um 1909 im Stadtmuseum
um 1909 im Stadtmuseum, Quelle: Stadtplanungsamt Dresden

Im Sommer 2016 erhielt unser Verein die Möglichkeit, Fotos aus dem Bestand des Stadtplanungsamtes Dresden für heimatliche Forschungen zu nutzen – dafür an dieser Stelle recht herzlichen Dank. In diesem Konvolut befindet sich auch eine Abbildung, die einen Teil des Grabdenkmals 1910 in einer Ausstellung des Stadtmuseums, dass kurz zuvor in den Räumen des Neuen Rathaus eröffnet wurde, zeigt.

Im Februar 1945 wurde das Stadtmuseum zusammen mit dem Neuen Rathaus zerstört. Bei der Enttrümmerung konnte die Steinplatte aus den Ruinen geborgen werden und wurde nach der Eröffnung des Stadtmuseums 1966 im Landhaus wieder gezeigt – zuletzt 2005 in einer Sonderausstellung im Rahmen der Einweihung der wiederaufgebauten Frauenkirche.

Grabdenkmal der Familie Martinsen/Benad
heutiger Zustand des Grabdenkmal der Familie Martinsen/Benad

An Hand der Grablegungsbücher konnte der ehemalige Standort auf dem Eliasfriedhofes schnell verortet werden. Noch aber war unklar, wann und unter welchen Umständen es entfernt wurde. Aber es fand sich ein diesbezüglicher Schriftverkehr im Archiv des Ärars des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofes, aus dem unten ein Auszug zitiert wird.

Das Archiv selbst ist so gut wie unerforscht und kann eventuell demnächst bearbeitet werden. Sicher finden sich dabei weitere Detail über unser Freilichtmuseum. Bitte besuchen Sie unseren Friedhof, der 2015 als national bedeutendes Kulturdenkmal eingestuft wurde, bald wieder zu den Öffnungszeiten und lassen sich von dem Charme der Vergangenheit bezaubern.

Gesuch der Verwaltung des Stadtmuseums, Seite 1
Gesuch der Verwaltung des Stadtmuseums, Recto

 

 

 

An
den Friedhofsausschuß zur Verwaltung des Elias=
        Trinitatis= und Johanisfriedhof
                                                hier


        Die Grabstelle der Familie Benad auf dem Eliasfriedhofe
ist mit einem Sandsteindenkmal geschmückt, das in neuerer
Umrahmung ein aus der Zeit um 1580 herrührendes Relief, die
Kreuzigung Christi darstellend (abgebildet bei Gurlitt, die Kunstdenkmäler
Dresdens S. 78), enthält. Es ist im kunstgeschichtlichen Interesse
dringend erwünscht, daß dieses wertvolle Bildwerk erhalten bleibe
und vor der Verwitterung bewahrt werde, die bereits stark ein=
gesetzt hat, denn bei der vor einigen Tagen erfolgten Besichtigung
des Denkmals wurde der rechte Arm des Gekreuzigten herabgefallen
und zerbrochen auf dem Erdboden gefunden.

        Wir hegen deshalb den Wunsch, das Bildwerk in das Stadt=
museum aufzunehmen, in dessen zukünftigen Räumen im neuen
Rathause es günstig untergebracht werden kann. Da es sich aber
um eine große, schwere Steinplatte handelt, die in die Wand
eingelassen werden muß, würde in den fertigen Museumsräumen

Gesuch der Verwaltung des Stadtmuseums, Seite 2
Gesuch der Verwaltung des Stadtmuseums, Verso

 

 

die Aufstellung mit großen Unzuträglichkeiten verbunden sein,
während sie sich jetzt gleichzeitig mit der Aufmauerung der
Wände leicht ausführen läßt. Die Besitzerin der Grabstette , Frau
Maria Hänsel geb. Benad, hat auf unser Ersuchen das Bildwerk
nach Ausweis der beiliegenden Erklärung dem Stadtmuseum
überwiesen und ihr Einverständnis damit erklärt, daß es schon
jetzt ins neue Rathaus überführt werde. Es wird beabsichtigt,
nur die Mittelplatte des Denkmals wegzunehmen, den etwa
1 Meter hohen Unterbau stehen zu lassen und auf diesen
die Bekrönung zu setzen, sodaß das Grab selbst ganz unberührt
bleibt und kein ruinöser Zustand entsteht.
        An den hochgeehrten Friedhofsausschuß richten wir hiermit
ergebenst die Bitte, zur Überführung des Bildwerkes in das
Stadtmuseum seine Genehmigung zu erteilen.

Dresden, am 10. November 1908
                Die Verwaltung des Stadtmuseums
                Ratsarchivar Dr. Richter